Projekt tastbare Wellen

Im Jahre 1998 wurde die Bildhauerin Renata Barcelos mit ihrem Projekt “tastbare Wellen” Preisträgerin der jährlich vom brasilianischen Kultusministerium organisierten Veranstaltung zur Verbreitung der einheimischen Kunst. Ihre Skulpturen wurden vom  8 bis zum 25 Oktober 1998 bei der FUNARTE in der Galerie Mário Schenberg, in Campo Elíseos, São Paulo, ausgestellt. Renata Barcelos gelingt es mit ihrer einmaligen Ausstellung “tastbare Wellen” nicht nur, die Schönheit und Perfektion ihrer Marmor- und Quarzskulpturen zu vermitteln,

sondern auch beim Publikum eine Stimulierung des sonst so wenig  wahrgenommenen Tastsinnes zu bewirken. Die Besucher wurden aufgefordert, mit verbundenen Augen die 10 Skulpturen, die vorübergehenden Naturerscheinungen wie Wellen und Wassertropfen darstellen, mit den Händen zu fühlen. Mit Unterstützung des Vereins für Blinde LAMARA ist die Ausstellungsfläche so ausgelegt worden, dass auch Blinden ein leichter Zugang zu den Skulpturen gewährleistet wird. Nach Abschluss der Besichtigung wird der Besucher aufgerufen, in einem anliegenden Raum seine Gefühle beim Modellieren von Tonfiguren  auszudrücken.

Mit der Ausstellung “tastbare Wellen” beabsichtigt Renata Barcelos sowohl Sehbehinderten einen Zugang zur Kultur zu  ermöglichen, als auch Normalsehende  für einen Augenblick in eine Welt ohne Sehwahrnehmungen zu versetzen. Indem alle Besucher den gleichen Bedingungen ausgesezt werden, haben sie die Möglichkeit, durch die Härte der Steinskulpturen, flüssige Naturphänomene wie Wassertropfen und Meereswellen zu berühren.

Nicht nur Hinweise und Beschriftungen sind in Braille, sondern auch eine tastbare und optische Signalisierung berücksichtigt verschiedene Stufen der Sehschwäche. Für Leute mit einer stark reduzierten Sehkapazität werden bunte , kontrastreiche Klebebänder fixiert, deren Volumen den Leuten ohne jeglicher Sehkraft erlaubt, diese Bänder mit dem Schuh oder Stock zu verfolgen. Nach Abschluss der Besichtigung wird der Besucher aufgerufen, in einem anliegenden Raum selbst Tonskulpturen zu formen, die dann betitelt und auch ausgestellt werden, mit der Absicht, die “Distanz” zwischen dem Publikum und einem Kunststück zu verringern.